• Karl Schnabel

Gedanken über Qualität beim Wein





Allgemein



Qualität bestimmt den Wert eines Produktes bzw. einer Ware.

Was ist aber letztendlich Qualität?

Meistens bestimmen verschiedene Parameter die Qualität und somit den Wert eines Produktes. Bei Autos zB. die Motorstärke, der Treibstoffverbrauch, die Reparaturanfälligkeit, der Fahrkomfort, Karosseriebau, Unfallsicherheit, usw. Bei technischen Produkten handelt es sich um klar feststellbare und vergleichbare Eigenschaften.



Qualität bei Lebensmitteln



Bei Lebensmitteln und Genussmitteln ist die Definition von Qualität um einiges komplexer und undurchsichtiger. Es gibt ein Lebensmittelgesetz, welches gewisse Standards und eine teilweise Transparenz festlegt. Es müssen Inhaltsstoffe angeführt werden, jedoch nicht vollständig. Es gibt Regelungen, wonach Inhaltsstoffe bei Unterschreitung gewisser Mengen nicht angeführt werden müssen.


Labortechnisch wäre es möglich Stoffe, welche in Kleinstmengen in Lebensmitteln vorhanden sind, festzustellen und zu quantifizieren. Kleinstmengen nicht nur im Mikro- sondern auch im Nanobereich. Diese Nachweise wären vor allem im Zusammenhang mit Rückstandsbelastungen von Interesse. Das Wissen über Rückstände ist für den Konsumenten bei der Beurteilung und bei der Auswahl eines Produktes von Vorteil. Diese „Nebenstoffe“ geben genaueren Aufschluss über die Beschaffenheit und auch über die Produktionsweise eines Produktes.


Man könnte jetzt einwenden, wenn ein Stoff eine gewisse Menge nicht überschreitet ist es letztendlich irrelevant. Man übersieht dabei aber, dass mehrere Produkte mit Rückständen additiv zu einer höheren Rückstandsbelastung führen. In Bezug auf Produktionsweisen gilt das gleiche. Viele kleine Verschmutzungen in der Umwelt führen in Summe zu großen Umweltbelastungen.


Um die Qualität eines Lebensmittel- und Genussmittelproduktes festzustellen und Produkte vergleichen zu können wäre das eben Erörtere von Bedeutung. Die Einhaltung gewisser Mindeststandards erlaubt noch keine objektive Qualitätsunterscheidung.



Qualität beim Wein



Wie schaut es bei der Qualitätsdefinition von Weinen aus?

Man hat ein „strenges“ Weingesetz und infolgedessen Prüfungskommissionen installiert, welche feststellen, ob ein Wein als Qualitätswein ausgewiesen werden darf.


Also alles Roger? Mitnichten!




Wein ist ein Genussmittel und es gelten für Wein andere Regelungen als für Lebensmittel. Beim Wein müssen keine lnhaltsstoffe aufgelistet werden. Einzig das Allergen „Schwefel“ in Form von Sulfiten muss aufgrund eines EU-Gesetzes angeführt werden. Diese Regelung wurde so umgesetzt, dass kein hoher Informationsgehalt für den Konsumenten vorhanden ist. Auf der Flasche wird lediglich vermerkt „enthält Sulfite“, was dem Konsumenten keine Transparenz bringt. Denn der betreffende Wein kann minimal geschwefelt worden sein, zB. mit 20mg pro Liter oder mit der erlaubten Höchstmenge von weit über 100mg pro Liter versetzt worden sein.


Die Prüfung zum Qualitätswein besteht aus zwei Teilen. Ein sensorischer Teil, wo der Wein von einer Kommission bestehend aus sechs Personen verkostet wird. Sechs subjektive menschliche Gaumen entscheiden, ob der zu prüfende Wein als Qualitätswein entspricht. Neben der sensorischen Überprüfung wird der Wein analytisch angeschaut. Jedoch nur sehr oberflächlich, wie Höchstmenge von Schwefel, Restzucker, Alkoholgehalt, flüchtige Säure usw.. Es wird kein Augenmerk auf Rückstände oder darauf, welche chemischen und technischen Verfahren der Wein durchlaufen hat, gelenkt. Diese Parameter wären aber für eine objektive Qualitätsbeurteilung von Bedeutung.

Wie kann man nun Wein als Konsument qualitativ unterscheiden?


Von der Weinwirtschaft wird man leider für eine objektive vergleichende Qualitätsbeurteilung im Stich gelassen.


Grundsätzlich ist festzuhalten das Qualität auf drei Beinen steht. Qualität ist zumindest dreidimensional.




Geschmack


Wein ist ein Genussmittel. Wein muss schmecken. Wein muss dem Konsumenten geschmacklich zusagen. Geschmack ist etwas Subjektives, Geschmäcker sind verschieden. Schon die alten Römer haben gesagt „de gustibus non disputandum est“ (über Geschmack kann man nicht streiten). Der Wein muss dem betreffenden Konsumenten schmecken und nicht dem staatlichen Vorkoster! Geschmack ist das erste Auslesekriterium und sehr wichtig.




Bekömmlichkeit


Der Konsument wird den Wein nicht labortechnisch privat untersuchen lassen, um zu wissen, mit was der Wein letztendlich alles in Berührung gekommen ist. Der Weingenießer kann aber darauf achten, wie gut ihm der betreffende Wein tut. Wie trinkfreudig ist der Wein? Wie fühlt man sich wenn man den Wein trinkt? Wie geht es einem nach dem Weingenuss am nächsten Tag?




Produktionsweise


Wie umweltfreundlich wurde der Wein produziert? Wie nachhaltig? Ist der Produzent zumindest Bio-zertifiziert? Kennt man den Produzenten und das Weingut vielleicht persönlich und weiß wie dort gearbeitet wird?

Um einen Wein qualitativ einordnen zu können, muss man zumindest auf diese drei Parameter schauen. Die Bekömmlichkeit sollte neben dem Geschmack jedem wichtig sein. Dass die Produktionsweise vielen leider nicht so wichtig ist, ist traurig. Die kommenden Generationen werden das der Gegenwart nicht verzeihen……….






Abschließend noch ein paar Bemerkungen zum Preis eines Produktes. Theoretisch ist der Preis ein Spiegel für die Qualität. Das ist jedoch nur begrenzt richtig. Ein hoher Preis garantiert nicht unbedingt hohe Qualität. Hinter hohen Preisen kann auch gute PR Arbeit statt gute Qualität stecken. Ein niedriger Preis schließt hohe Qualität definitiv aus. Wenn man zu einem niedrigen Preis ein qualitativ gutes Produkt ergattert, so muss man sich bewusst sein, dass irgendjemand in der Produktionskette draufgezahlt hat. Dessen müssen sich die Schnäppchenjäger bewusst sein.


Es gibt viele qualitativ hochwertige Weine zur Auswahl. Lassen wir den Müll beiseite, auch wenn er hochdekoriert wurde. In diesem Sinne ein nachhaltiges lebensbejahendes Prost.


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